Begegnungen mit den lautlosen Jägern der Nacht

Das diffuse Licht der Dämmerung bereitet den Weg für eine laue Mondnacht. Während das Land hinterm Deich nach einem herrlichen Sommertag langsam zur Ruhe kommt, „spucken“ die Seelandhallen „Nachtschwärmer“ in sichtlich angespannter Erwartungshaltung aus. 20 kleine und große Naturfreunde scharen sich um den Fledermaus-Experten Stefan Lilje, der sie mit „Bad-Detektoren“ – eine Art Geigerzähler – ausstattet und Erfolgsregeln vermittelt. Dann setzt sich der Tross in Bewegung – die erste Otterndorfer Fledermaus-Nacht hat begonnen.

Der Wanderung durch die Dunkelheit ist ein gehaltvoller Einstieg vorausgegangen. Anschaulich, mit hohem Spannungspotenzial und nicht zuletzt spielend  hat Stefan Lilje seine Gäste in die Welt der Fledermäuse, jener von Schauergeschichten und Mythen umgebenen, possierlichen Flugkünstler der Nacht, fachkundig eingeführt. So offenbarten Diaschau, die Wiedergabe der im Ultraschallbereich aufgezeichneten Laute verschiedener Fledermausarten, ein Film, angereichert mit  viele Details aus dem von Lilje nachgezeichneten Feldermausjahr bewundernswerte, faszinierende Nachtschwärmer ganz und gar ohne Vampirgehabe. Gleichwohl: Gibt es hierzulande etwa 20 Arten, die sich ausschließlich von Insekten oder Früchten ernähren – jedes Tier benötigt Nacht für Nacht ein Drittel des Eigengewichtes (zum Beispiel 6000 Mücken), um ausreichend ernährt zu sein, gibt es in Süd- und Mittelamerika auch eine Blut saugende Art.

Von der Wochenstube dieser nützlichen Säugetiere über Sommer- und Winterquartiere und die Bauanleitung für selbst gemachte Fledermauskästen bis hin zu Jagdszenen und Kommunikation dieser sozialen „Flugmäuse“ und deren „Radarsystem“ reicht das Spektrum der umfassenden Aufklärung. Lange Zeit im Abseits, heute von einer stetig wachsenden Fan-Gemeinde begleitet, dienen auch die Fledermaus-Abende der umfassenden Aufklärung.

Bleiben die mitgeführten „Bad-Detektoren“ zuerst noch stumm, so ändert sich dies schlagartig, als sich die Gruppe der Medem nähert. Da „summen die Detektoren“ ihr Lied, das sich aus Klickgeräuschen unterschiedlicher Ausprägung zusammensetzt. Als es lauter wird, bewegen sie sich über den Köpfen der kleinen und großen Fans. Unter den nächtlichen Flugkünstlern ist der Große Abendsegler deutlich auszumachen. Sie jagen lautlos und in rasantem Tempo, sind für Augenblicke verschwunden, um sogleich aus dem „Nichts“ wieder aufzusteigen, so dass die Menschen unter ihnen den Atem anhalten. Als die Gruppe „fledermaustrunken“ den Rückweg antritt, zeichnet sich vor der Sichel des Mondes noch einmal der Schatten des Großen Abendseglers ab.

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